ORCHIDEENKULTUR AUF DER FENSTERBANK

Orchideen auf der Fensterbank erfolgreich zu kultivieren und auch wieder zum Blühen zu bringen ist gar nicht so schwer, wie man vielleicht denkt.

Dazu ist es allerdings nötig ein gewisses Grundwissen zu haben und ein paar einfache Regeln zu beachten. Auch ein gutes Orchideenbuch ist eine sinnvolle Investition. Wir möchten Ihnen im folgenden ein paar Tipps geben, mit denen eine erfolgreiche Kultur am Fensterbrett möglich ist.

  • Temperatur

    Ein wesentlicher Wachstumsfaktor ist die Temperatur und ggf. auch die Temperatur im Jahresverlauf. Letztere ist insbesondere bei Orchideen mit einer Ruhezeit wichtig, bei der oftmals eine (deutliche) Temperaturabsenkung neben einer Reduzierung der Wassergaben die Blühphase einleitet (Blüteninduktion).

    Je nach Wärmeanspruch werden Orchideen in 3 Gruppen unterteilt:

    + Warmhausorchideen mit Tagtemperaturen im Bereich 20–25 °C
    Der bekannteste Vertreter ist die Phalaenopsis (Nachtfalterorchidee), aber auch einige Frauenschuhe (zu erkennen an den marmorierten Blättern) und Dendrobien (z.B. Dendrobium phalaenopsis) mögen es warm.

    + Orchideen für das temperierte Haus mit Tagtemperaturen im Bereich 15 – 20 °C
    In diesem Bereich finden sich viele Frauenschuhe (meist die grünblättrigen Varianten) und auch viele Dendrobien, Oncidien und Cattleyen.

    + Kalthausorchideen mit Tagtemperaturen im Bereich 10–15 °C
    Vertreter aus diesem Bereich kommen oft aus den Gattungen Odontoglossum, Coelogyne aber auch einige Dendrobien (wie die bekannte Dendrobium nobile) und die meisten Masdevallien mögen es eher kühl und (Luft-)feucht.

    Die Nachttemperaturen für alle drei Bereiche sind meist 2–3 °C tiefer (Nachtabsenkung).

    Wie Sie schon gesehen haben: nicht alle Vertreter einer Gattung haben die selben Wärmeansprüche. Insbesondere wenn man Naturformen pflegt ist es daher wichtig zu wissen, wie die Ansprüche der Pflanze genau sind.

    Die meisten (aber eben nicht alle) heutzutage im Handel angebotenen Hybriden können im temperierten bis warmen Bereich kultiviert werden, was auch unserem eigenen Wärmewohlbefinden entspricht.

  • Licht

    Insbesondere im Herbst/Winter ist das Licht eines der am meisten begrenzenden Wachstumsfaktoren. V.a. bei der Blütentriebentwicklung ist auf eine ausreichende Lichtversorgung zu achten, da die Knospen sonst gelb werden und abfallen.

    Es gilt daher die Regel: so hell wie möglich, jedoch keine direkte Sonne. Denn diese führt insbesondere im Frühling nach der lichtarmen Zeit zu häßlichen Verbrennungen. Eine Scheibengardine als Sonnenschutz ist hier meist ausreichend und kann bei Bedarf auch schnell wieder entfernt werden (Herbst, Winter).

    Von der Himmelsrichtung der Fenster sind Ost, West und Süd (hier insbesondere auf Schattierung achten!) zu bevorzugen.

  • Luftfeuchte

    Die meisten Orchideen fühlen sich im Bereich 50 – 60% relative Luftfeuchte wohl und auch wir Menschen empfinden dies als angenehm. In jedem Orchideenzimmer sollte daher ein Thermo-/Hygrometer zur Kontrolle von Temperatur und Luftfeuchte vorhanden sein.

    Soll die Luftfeuchte erhöht werden, so empfehlen wir einen elektronisch gesteuerten Luftbefeuchter nach dem Ultraschallprinzip.

  • Luftbewegung

    In der freien Natur gibt es kaum stehende Luft. Es weht immer ein leichter Wind oder die Thermik sorgt dafür, dass sich die Luft vermischt. Ganz anders im Zimmer – hier steht oft die Luft und dies führt insbesondere im Winter bei geschlossenen Fenstern auch zu einer recht ungleichmäßigen Wärmeverteilung. Daher sollte mit einem Ventilator ganzjährig dafür gesorgt werden, dass die Luft immer wieder bewegt und gemischt wird. Wir empfehlen hier Ventilatoren der amerikanischen Firma Vornado. Es reicht, diese für 15 Minuten pro voller Stunde (Winter) bzw. 15 Minuten alle 2 Stunden (Sommer) zu betreiben.

  • Frischluft

    Im Sommer sind die Fenster ja meist geöffnet und sorgen für einen ausreichenden Luftaustausch. Im Winter ist dies nicht der Fall so dass mindestens zweimal am Tag ausreichend gelüftet werden sollte. Dies tut nicht nur den Pflanzen, sondern auch uns gut! Dabei ist darauf zu achten, dass die Pflanzen keinen Kälteschock bekommen, wenn die Außentemperaturen sehr tief sind. Ggf. sind diese vorher in einen sicheren Bereich zu bringen.

  • Wasser

    Die meisten im Handel befindlichen Orchideen wie auch die bekannte Phalaenopsis sind epiphytisch wachsende Orchideen. Diese wachsen auf anderen Pflanzen und lassen sich von diesen gewissermaßen wie von einem Aufzug in Richtung Licht tragen. Es muss dabei ausdrücklich betont werden, dass es sich hierbei nicht um Schmarotzer wie die Mistel handelt, denn Orchideen entziehen der Pflanze, auf der sie wachsen, keine Nährstoffe.

    Aufgrund dieser Lebensweise sind die Wurzeln von epiphytisch wachsenden Orchideen intensiv von Licht, Luft und wechselnder Feuchtigkeit umgeben. Das Wasser (Regenwasser) ist sehr weich und enthält nur sehr wenig Nährstoffe und Mineralien.

    Das heißt für uns Zimmergärtner, dass die meisten Orchideen weiches, zimmerwarmes Gießwasser bevorzugen. Auch ein tägliches Übersprühen am Morgen (damit die Pflanze bis zum Abend wieder komplett trocken ist) fördert das Wachstum.

    Nur Frauenschuhe haben einen hohen Calciumbedarf und mögen meist auch höhere pH-Werte. Daher sollte man bei den allermeisten Frauenschuhe mit hartem Leitungswasser gießen und ggf. durch gemahlene Eierschalen vom Frühstücksei, die ins Substrat eingewaschen oder untergemischt werden, die Calciumversorgung sicherstellen.

  • Dünger

    Bis auf wenige Orchideen wie Cymbidien sind die meisten Orchideen sogenannte schwachzehrende Pflanzen. Sie benötigen daher nur wenig Dünger und sind sogar salzempfindlich, d.h. es gilt hier das Motto „weniger ist mehr“. Sie sollten daher nur in der Wachstumszeit von April bis September düngen. Die meisten im Handel befindlichen Orchideendünger enthalten alle wichtigen Makro- und Mikronährstoffe und ggf. sogar noch organische Pflanzenhilfsstoffe wie Vitamine, … .

    Düngen Sie daher von April bis September einmal im Monat in der auf dem Orchideendünger (z.B. Seramis flüssige Vitalnahrung für Orchideen) angegebenen Konzentration. Zu Beginn der Wachstumsphase im April/Mai können Sie der Pflanze etwas Starthilfe mit einem Blattdünger wie der Seramis vitalisierenden Blattpflege geben

VERMEHRUNG VON ORCHIDEEN

Sympodial wachsende Orchideen wie Cattleyen, Oncidien, … können recht einfach durch Teilung (pro Teilstück sollten mindestens 3 Pseudobulben vorhanden sein) vermehrt werden. Bei monopodial wachsenden Orchideen wie der Phalaenopsis bilden sich ab und zu Tochterpflanzen (Kindel), die von der Mutterpflanze getrennt werden können, wenn sie 2–3 Wurzeln von 5–6 cm Länge haben. Will man das ganze nicht dem Zufall überlassen oder sogar züchten benötigt man ein Labor.

Wer gerne mit Sämlingen oder Jungpflanzen Erfahrungen sammeln will erhält Phalaenopsis-Naturformen und schöne sowie seltene Phalaenopsis-Hybriden bei unserem Partner Orchideen-Oase-Berlin:

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MEHR INFORMATIONEN UND TIPPS ZU FOLGENDEN THEMEN

+ Phalaenopsis – die Nachtfalterorchidee oder auch Malayenblume

+ Paphiopedilum – der Frauenschuh

+ Dendrobium – der Baumfreund

+ Buchempfehlungen – so machen Sie mehr aus Ihrem Hobby

+ Mondphasen – Orchideenkultur im Einklang mit den Mondrhythmen

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